Von Dr. Reinhard Schützdeller, SI Interim Management GmbH

Internationales Interim-Management stellt eine andere Liga innerhalb unserer Branche dar. Internationales Interim Management stellt an alle Beteiligten höhere Anforderungen als die routinierte Betreuung von nationalen Interim-Manda(n)ten.

Die Interim-Manager müssen den Nachweis erbringen, dass sie umfassende operative Erfahrung in den Einsatzländern haben, um die Erwartungen des Kun-den vor Ort erfüllen zu können. Sie müssen sich – auch mal ohne Dolmetscher – verständigen können, mit der jeweiligen Mentalität umgehen, innerbetriebliche und administrative Hürden nehmen und schließlich die Brücke zur deutschen Muttergesellschaft bauen. Klima und mangelnder Komfort dürfen ihre Performance nicht beeinträchtigen. Isolation und lange Nachtflüge akzeptieren sie als Teil des Mandats. Hinzu kommt, dass das Persönlichkeitsprofil zur Aufgabe passen muss. Die Selektion der Interim-Manager, die für internationale Einsätze in Frage kommen, fällt daher wesentlich stringenter aus.

Für den Auftraggeber ist die Entscheidung für die Einsetzung eines Interim-Managers in seinen Auslandsgesellschaften nicht leicht. Er wird den Interim-Manager nur als letzte Option ziehen, nachdem er seine eigenen Möglichkeiten ausge-schöpft hat. Er holt sich einen fremden Manager ohne interne Historie ins Haus, dem oftmals die Zukunft ganzer Betriebe und deren Mitarbeitern anvertraut wird. Viel Zeit, sich miteinander vertraut zu machen, bleibt in der Regel nicht. Den Interim-Manager ohne ausreichende Befugnisse auf den Weg zu schicken geht auch nicht. Ihn an der kurzen Leine zu führen ist nicht umsetzbar und würde auch dem Einsatzziel nicht gerecht. Es bleibt dem Auftraggeber daher nichts ande-res übrig als sich zunächst einmal auf den Provider zu verlassen.

Damit landet die Verantwortung für einen guten Projektstart schließlich beim Provider. Wie das Projekt endet entscheidet das Zusammenspiel zwischen dem hiesigen Auftraggeber und dem Interim-Manager vor Ort. Aber die Voraussetzungen für ein professionelles kick-off muss der Provider schaffen. Das beginnt mit sorgfältigen Interviews der Kandidaten, die sich um die Aufnahme in den Pool bewerben, der Überprüfung ihrer Referenzen, der präzisen Erfassung von Position, Aufgaben und Ziele des Interim-Managers, dessen Befugnisse und Berichtswege, und schließlich die aktive Begleitung während der Startphase des Mandats. Der Provider kann dabei durchaus auch zum „Anwalt“ beider Parteien werden.

Das setzt allerdings voraus, dass auch beim Provider Erfahrung in der Führung von Auslandsmandaten gegeben sein muss.