von Dr. Reinhard Schützdeller, SI Interim Management GmbH

Hektische Betriebsamkeit ist im Interim Management normal. Sobald eine Anfrage hereinkommt, springt die eingespielte Routine an, und die tickt nicht in Wochen, sondern in Stunden und Tagen. Die Branche beugt sich dem selbst gegebenen Versprechen, binnen 2-3 Tagen „liefern“ zu können. Interim-Manager, so scheint es, werden nur als Feuerwehr wahrgenommen.

Aber warum die Beschränkung auf kurzfristige Verfügbarkeit? Warum sollen Einsätze von Interim-Managern nicht auch mit Vorlauf von Wochen oder Monaten in Ruhe planbar sein? Warum soll es nicht möglich sein, heute schon einen Interim-Manager für einen Einsatz zu verpflichten, der erst in einem halben Jahr starten soll?

Bei unseren Kunden ist der Normalfall, daß Projekte mittel- bis langfristig geplant und in die Budgets aufgenommen werden. Beginn und Laufzeit der Projekte sind frühzeitig bekannt. Ebenso bekannt ist, ob sich intern ein Kandidat findet, der die zeitlich begrenzte Aufgabe übernehmen kann, oder eben nicht. Wenn kein geeigneter Mitarbeiter zur Verfügung steht ist auch die personelle „Lücke“ bekannt, die rechtzeitig geschlossen werden muß. Es steht also genügend Zeit zur Verfügung, auch den notwendigen Einsatz eines Interim-Managers frühzeitig erkennen und planen zu können.

Für Unternehmen ist die Frühbuchung eines Interim-Managers nur von Vorteil. Der Kunde muß nicht mehr unter Zeitdruck unter einer begrenzten Auswahl zufällig gerade verfügbarer Interim-Manager seine Entscheidung treffen, sondern kann den Kandidaten mit bester Passgenauigkeit in einem geordneten Verfahren aussuchen. Damit gewinnt das Merkmal „Eignung“ deutlich an Gewicht.

Während bei Notfall-Situationen kaum Gelegenheit bleibt, einen eilig engagierten Interim-Manager auf seine Aufgabe vorzubereiten, kann bei geplanten Interim-Einsätzen genügend Zeit für interne Durchläufe und Briefings vorgesehen werden. Gerade bei Auslandseinsätzen ist es für den Interim-Manager wichtig,  seine Ansprechpartner im entsendenden Unternehmen zu kennen und zu wissen, was sie präzise von ihm erwarten. Auch das Unternehmen weiß den Interim-Manager besser einzuschätzen, dem es seine Investition anvertraut. Spätere Missverständnisse können vermieden werden. Dadurch mutiert der Interim-Manager von der Notfall-Lösung zur geordneten personellen Lösung. Er ist kein Unbekannter mehr.

Gerade Auslands-Projekte sind externen Faktoren ausgesetzt, die den geplanten Verlauf abrupt beeinflussen können. Die meisten Fehler werden im Vorfeld durch ungenügende Kenntnisse der Verhältnisse im Zielland gemacht. Administrative Abläufe, fehlende Genehmigungen, Zollbeschränkungen, logistische Engpässe und lückenhafte Verträge mit lokalen Partnern sorgen immer wieder für unliebsame Überraschungen. Interim-Manager mit operativer Erfahrung im Zielland können bei rechtzeitiger Einbindung dazu beitragen, Planungsmängel zu erkennen und vor ihrer Entsendung zu heilen. Bisher ist die gängige Praxis, daß Interim-Manager erst vor Ort mit nicht erkannten Planungsmängeln konfrontiert werden, die zu Verzögerungen oder auch zum kostspieligen Abbruch des Projekts führen können. Erfahrene Interim-Manager stellen ihre Expertise daher gern in der  Früh-Phase eines Projekts zur Verfügung, da mehr Planungssicherheit auch mehr operative Umsetzbarkeit vor Ort bedeutet.

Für Interim-Manager ist die Frühbuchung von Vorteil, weil sie nicht den Sprung ins kalte Wasser machen müssen, sondern vorbereitet in ein Engagement gehen. Sie können Chancen und Risiken im Vorfeld abschätzen und nicht erst während des laufenden Mandats. Sie haben die Möglichkeit, pro-aktiv mitzugestalten und kommen weniger in die Verlegenheit, auf Fakten reagieren zu müssen, die andere geschaffen haben. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ihres Mandats wird dadurch deutlich höher – zum Nutzen ihrer eigenen Reputation.